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Schwangerschaft

Schwangerschaftsvorsorge

Eine Schwangerschaft ist das Natürlichste auf der Welt. Und dennoch ist diese Zeit für eine Frau die außergewöhnlichste und bewegendste in ihrem Leben. Egal ob Sie lange auf diesen Moment haben warten müssen, oder ob Sie von der neuen Situation überrascht wurden, wir stehen Ihnen zur Seite. Vielleicht ist Ihnen den ganzen Tag nur übel und Sie sind richtig blass um die Nase, oder man kann Ihnen Ihr Glück und die Freude aus den Augen leuchten sehen, wir begleiten Sie gerne.

In unserer frauenärztlichen Praxis verstehen wir die Schwangerschaftsbetreuung als ganzheitliches Konzept. Darum freuen wir uns, in der Schwangerenvorsorge mit drei kompetenten Hebammen – Sabine Henric-Petri, Susanne Dammann-Plotzki und  Stefanie Rüter – als Kooperationspartnerinnen zusammenarbeiten zu können.

Schwangerschaftsbeschwerden

Die vielfältigen Einwirkungen in der Schwangerschaft führen zu Veränderungen, Belastungen und häufig auch zu Beschwerden bei der Schwangeren. Schwangerschaftsbeschwerden sind ganz normal und fast jede Schwangere kennt sie, wie z.B.

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Heißhunger, Appetitlosigkeit
  • Mutterbandschmerzen
  • Ischiasbeschwerden, Rückenschmerzen, usw.

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge durch Hebamme und Arzt können viele dieser Beschwerden gelindert bzw. beseitigt werden.
Die Rezepturen erhalten Sie bei Bedarf im Rahmen der Schwangerenvorsorge in unserer Praxis.

Mutterschutzrichtlinien, allgemeine Leistungen

Laut Mutterschutzrichtlinien gehören zum gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeprogramm:
Anlage des Mutterpasses, Untersuchungen in 4-wöchigen, ab 30. SSW (Schwangerschaftswoche) in 2-wöchigen Abständen mit Blutdruckmessung, Gewichtskontrolle, Urinuntersuchung, Überprüfung des Gebärmutterwachstums

Erste Blutentnahme:
8.-12. SSW Blutgruppenbestimmung, Antikörpersuchtest, Röteln-Antikörper, LSR-Suchtest auf Syphilis,
HIV-Test auf Wunsch, Hämoglobin

Zweite Blutentnahme:
24.-28. SSW Glucosetoleranztest zum Erkennen von Schwangerschaftsdiabetes, Antikörpersuchtest, Hämoglobin

Dritte Blutentnahme:
29.-32. SSW Hepatitis B

Chlamydienabstrich – Ausschluss einer Muttermundinfektion, die unbehandelt zum vorzeitigen Blasensprung und Frühgeburt führen kann. Unter der Geburt können diese Erreger zur kindlichen Augen- und Lungenentzündung führen.

1. Ultraschall-Screening 9.-12. SSW
2. Ultraschall-Screening 19.-22 SSW, wahlweise als Basis-Ultraschall oder erweiterter Basis-Ultraschall IIb (Organsonographie)
3. Ultraschall-Screening 29.-32. SSW

Arbeiten und Tätigkeiten

Solange sich die Schwangere wohl fühlt und gesund ist, kann sie ihren Tätigkeiten wie gewohnt nachgehen.
Das Mutterschutzgesetz regelt Tätigkeits- und Beschäftigungsverbote während der Schwangerschaft am Arbeitsplatz.

Schwangerschaft und Sport, Sauna:
Sport tut in der Regel gut und kann unter Berücksichtigung der durch die Schwangerschaft herabgesetzten Leistungsfähigkeit betrieben werden. Möglicherweise sind gezielte sportliche Aktivitäten zur Vermeidung bzw. Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden besonders empfehlenswert: Z.B. Gymnastik, Schwimmen, Walking. Dagegen sind Sportarten mit abrupten Bewegungen oder erhöhter Sturzgefahr sowie der Gefahr der Verletzungen des Bauches eher ungeeignet (Tennis, Squash, Ballspiele, Skilauf, Reiten, usw.).
Wenn die Frau bereits Saunaerfahren ist, kann sie weiterhin saunieren. In der Schwangerschaft führt dies häufiger zu kürzeren Saunagängen. Bei Krampfadern oder Frühgeburtsbestrebungen ist vom Saunieren abzuraten.

Schwangerschaft und Reisen:
Reisen ist in der Schwangerschaft grundsätzlich möglich und auch nicht mit einem großem Risiko verbunden. In der Regel bietet sich das mittlere Drittel dafür besonders an, da sich die Schwangere meist in diesem Zeitraum am wohlsten fühlt.
Abzuraten ist von Fernreisen in Länder mit erhöhter Gefahr für Magen-Darm-Erkrankungen und bedrohlicheren Infektionskrankheiten, sowie in Länder, die eine vorherige Impfung notwendig machen.

Gegen das Fliegen in der Schwangerschaft bestehen grundsätzlich keine Einwände, da es sich nicht ungünstig auf das Kind auswirkt. Bei der Planung sollte jedoch bedacht werden, dass manche Fluggesellschaften Schwangere grundsätzlich oder ab der 36. Schwangerschaftswoche nicht mehr mit sich fliegen lassen oder eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung verlangen.
Bei Autofahrten darf auf das Anlegen des Sicherheitsgurtes auf keinen Fall verzichtet werden. Allerdings muss beim Anlegen des Dreipunkt-Gurtes darauf geachtet werden, dass der horizontale Gurtteil über dem knöchernden Becken und nicht über dem Bauch liegt.
Vor Reiseantritt sollte möglichst eine Vorsorgeuntersuchung durchgeführt werden. Selbstverständlich muss der Mutterpass mitgeführt werden.

Schwangerschaft und Ernährung

Der Energiebedarf in der Schwangerschaft ist vom zweiten Schwangerschaftsdrittel an um ca. 1230 kJ = 300 kcal pro Tag erhöht, d. h. der tägliche Energiebedarf der Schwangeren beträgt bei einer durchschnittlichen Arbeitsbelastung ab dem 4. Schwangerschaftsmonat ca. 9600 kJ = 2300 kcal. Die Ursachen für den erhöhten Energiebedarf sind:

  • der erhöhte Grundumsatz
  • das Wachstum des Feten
  • die körperliche Belastung durch die
  • schwangerschaftsbedingte Gewichtszunahme.

Der Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft sieht wie folgt aus:

Eiweiß:
Vom 2. Schwangerschaftsdrittel an besteht ein Mehrbedarf von 30g pro Tag. Die tägliche Eiweißzufuhr sollte 85-100 g betragen. Geeignete Eiweißlieferanten sind Milch und Milchprodukte, Getreide, Hülsenfrüchte, Eier, Fisch, mageres Fleisch

Fett:
Es besteht ein Mehrbedarf, eine tägliche Zufuhr von 60g bis maximal 90g Fett reicht vollkommen aus. Hierbei ist zu beachten, dass etwa die Hälfte davon bereits als sogenanntes “verstecktes Fett” in “fertigen” Lebensmitteln (z.B. Käse und Wurst) enthalten ist. Geeignete Fettlieferanten sind Butter, kaltgepresste und unraffinierte Pflanzenöle, Margarine, Gemüse und Obst.

Kohlenhydrate:
Es besteht ein geringer Mehrbedarf; täglich sollten insgesamt ca. 300g Kohlenhydrate aufgenommen werden. Geeignete Kohlenhydratlieferanten sind Getreidevollkornprodukte, Kartoffeln, Reis, Obst, Gemüse, Teigwaren und Kräuter. Diese Nahrungsmittel liefern gleichzeitig wichtige Ballaststoffe, die den “ungesunden” Kohlenhydratlieferanten Zucker und Weißmehl fehlen.

Vitamine und Mineralstoffe:
Der Vitaminbedarf ist allgemein erhöht. Darüber hinaus besteht ein Mehrbedarf an Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Jod und Folsäure. Geeignete Vitamin- und Mineralstofflieferanten sind Milch und Milchprodukte, Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Eier, Seefisch und mageres Fleisch. Zu bedenken ist hierbei, dass durch Erhitzen, besonders durch längeres Kochen, der Großteil der Vitamine verloren geht, so dass Obst und Gemüse vorzugsweise als Rohkost oder aber so vitaminschonend wie möglich zubereitet werden sollten.

Folsäure:
Da sich der Folsäure-Bedarf in der Schwangerschaft verdoppelt und dieses Vitamin das Risiko von Neuralrohr-Defekten und Fehlgeburten senken kann, sollte frühzeitig besonders auf eine ausreichende Folsäure-Aufnahme geachtet werden. Leider ist Folsäure besonders hitzeempfindlich und wird durch die meisten Garverfahren zerstört, so dass die Zufuhr in Tablettenform (empfohlen werden 0,4-4 mg pro Tag) ratsam erscheint. Besonders wichtig ist eine ausreichende Folsäure-Versorgung bei Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt geboren oder Fehlgeburten hinter sich haben oder deren Folsäure-Speicher, z.B. durch eine erst kurz zurückliegende Schwangerschaft oder Ernährungsfehler (“fast-food”,Diät), erschöpft sein können.

Jod:
Zur Vermeidung kindlicher Schilddrüsen-Funktionsstörungen sollte außerdem auf eine ausreichende Zufuhr von Jod geachtet werden. Hierfür bietet sich die Verwendung von jodiertem Speisesalz und der häufige Genuss (3x wöchentlich) von Hochseefischen an (Süßwasserfische sind nicht sonderlich jodreich). Erscheint eine ausreichende Jodzufuhr zweifelhaft (z.B. in bekannten Jodmangelgebieten), so sollte die Schwangere auch Jod in Tablettenform einnehmen.

Kochsalz:
Der Kochsalz- und Flüssigkeitsbedarf ist während der Schwangerschaft etwa so groß wie vorher. Eine kochsalzarme Ernährung wird in der neueren Literatur nicht mehr empfohlen. Dass möglichst jodiertes Speisesalz verwendet werden sollte, um dem gesteigerten Jodbedarf in der Schwangerschaft gerecht zu werden, wurde bereits erwähnt. Der Tagesbedarf an Kochsalz liegt bei etwa 5 g. Dabei muss berücksichtigt werden, dass viele “fertige” Lebensmittel bereits erhebliche Mengen an Kochsalz enthalten können.

Eisen:
In der Schwangerschaft ist auf ausreichende Eisenzufuhr zu achten. Gute Lieferanten sind z.B. Haferflocken, Roggenvollkornbrot, getrocknete Aprikosen und Rote Beete. Zur besseren Aufnahme des Eisens sollte auch immer Vitamin C zugeführt werden, z.B. in Form von Orangensaft.

Getränke:
Die Tagestrinkmenge sollte in der Schwangerschaft bei etwa 1,5 bis 2,5 l liegen. Geeignete Getränke zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs sind natriumarmes Mineralwasser, ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee, Milch, Buttermilch, Fruchtmilch und verdünnte Fruchtsäfte. Kleinere Mengen Kaffee oder schwarzer Tee sind ebenfalls erlaubt. Es darf nicht außer acht gelassen werden, dass gerade mit Getränken sehr leicht versteckte Kalorien aufgenommen werden können. Ein Liter Vollmilch enthält z.B. etwa 650 kcal!

Um alle Anforderungen an eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft erfüllen zu können, empfiehlt sich eine gesunde Vollwertkost; dazu gehören Vollkornprodukte, Milch, Milchprodukte, Gemüse, Salate, Rohkost, Obst und Fleisch nach verlangen.
Die Grundregel der Vollwertkost ist, das die Nahrung so natürlich wie möglich sein sollte! Isolierte Produkte (z.B. Weißmehl und raffinierter Zucker) sind zu meiden. Zum Würzen sollten reichlich frische Kräuter und zum Süßen Honig oder Natursüße verwendet werden. Auch auf synthetisch hergestellte Süßstoffe wie Cyclamat, Aspartat u. ä. sollte verzichtet werden.

Was eine Schwangere nicht essen sollte

Der Verzehr verschiedener Lebens- oder Genussmittel sollte in der Schwangerschaft ganz eingestellt oder eingeschränkt werden, da es auch ernährungsbedingt zu Schwangerschaftskomplikationen kommen kann.
Bitte Vollständig meiden:

  • Giftstoffe (z.B. Schwermetalle, Dioxine, radioaktive Substanzen) können beim Kind Mißbildungen und bei der Mutter Vergiftungen, Allergien, Organschäden und ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen bewirken. Gemieden werden sollten z. B. Gegrilltes, Geräuchertes, Innereien (v.a. Leber!), Lebensmittel, die direkt an der Straße angebaut oder verkauft werden. Waldpilze, Wild, langlebige Raubfische und Fleisch von Tieren, die am Ende der Nahrungskette stehen.
  • Farb- und Konservierungsstoffe können beim Kind die Entstehung von Krebserkrankungen begünstigen und als Allergieauslöser wirken. Bei der Mutter können sie zu Allergien und Organschäden führen. Insbesondere bei Süßigkeiten und “fertigen” Lebensmitteln (Salate, Süßspeisen, etc.) sollte man deshalb vor dem Kauf sorgfältig die Liste der Inhaltsstoffe lesen.
  • Rohes Fleisch: Um einer Infektion mit Toxoplasmose- und Listerioseerregern vorzubeugen, sollte während der Schwangerschaft auf rohes oder nicht ganz durchgebratenes Fleisch (z.B. Mett, frische Mettwurst, Tartar, Rohwurst, Teewurst, roher Schinken) verzichtet werden.
  • Rohe Eier können u.a. ebenfalls Listerien enthalten. Eier sollten daher erstens möglichst frisch und außerdem nur hartgekocht bzw. durchgebraten verzehrt werden. Die Beigabe von rohen Eiern zu Speisen sollte ganz unterbleiben. Auch im Hinblick auf die Vermeidung einer Salmonelleninfektion ist dies eine ratsame Maßnahme.

Bitte hier den Genuss einschränken:

  • Lebensmittel, die Innereien enthalten (z.B. Leberwurst).
  • Tierische Innereien, vor allem Leber, sind oft Schwermetallbelastet und können eine große Menge Vitamin A enthalten, das in überhöhten Mengen fruchtschädigend wirken kann.

Genussmittel, Drogen und Medikamente

Kaffee, schwarzer Tee und Cola enthalten als problematische Substanz Coffein bzw. Tein. Beides kann in Maßen genossen werden (abhängig von der Stärke des Getränkes 1 – 3 Tassen täglich bzw. 300 mg/Tag). Bei übermässigem Genuss kann es zu Bluthochdruck, Unruhe, Magenreizungen und Schlaflosigkeit kommen.

Nikotin: Rauchen hat definitiv schädliche Auswirkungen auf das Ungeborene. Nikotin verengt die Gefäße, was zu einer Minderversorgung des Kindes im Uterus führt. Sie sollten deshalb in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht rauchen!

Alkohol führt besonders bei dauerhaft erhöhtem Gebrauch (mehr als 28,5 ml Alkohol/Tag, was ca. 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein entspricht) zu einem erhöhten Risiko für Fehl- und Frühgeburten, sowie zu direkt schädigenden Auswirkungen auf das Ungeborene, wozu Wachstumsretardierungen, Fehlbildungen, geistige Retardierung und Verhaltensänderungen zählen.

Medikamente: Jedes während der Schwangerschaft konsumierte Medikament sollte kritisch und ggf. durch den Arzt oder Hebamme unter die Lupe genommen werden. Hierzu zählen auch pflanzliche Arzneien und Tees, die sich gerade in jüngster Zeit großer Beliebtheit erfreuen.

Einsatz von Pflegeprodukten: Vorsicht ist geboten bei chemischen Haarfärbemitteln. Es gibt keine eindeutigen Studienergebnisse, aber Ökotest hat z.B. in allen untersuchten Produkten teratogene und möglicherweise krebserregende Inhaltsstoffe gefunden (Ausgabe Nov. 2000). Bei Haarfärbungen in der Schwangerschaft sollten Sie auf Pflanzenfarbe zurückgreifen.

Impfungen in der Schwangerschaft

  • Auffrischung der Impfung gegen Keuchhusten in der ca. 30. Schwangerschaftswoche (unabhängig vom Impfstatus)
  • Influenza – Grippeimpfung
    Da wir im Winter 2009/2010 schwere Krankheitsverläufe der H1N1-Grippe bei Schwangeren sehen mussten, ist jetzt generell in Deutschland die Empfehlung von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes ausgesprochen worden, dass alle Schwangeren ab der 13. Schwangerschaftswoche gegen Grippe geimpft werden sollten. Bei erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens kann auch früher geimpft werden. In den USA werden schon seit Jahren die Schwangeren zur Saison geimpft.
  • Die Kosten tragen die Krankenkassen.
  • Bitte bringen Sie Ihren Impfausweis mit, damit wir prüfen können, ob Sie ausreichend geschützt sind.